Überfahrt
Beitrag zur Schreibchallange bei der School of Literature mit dem Thema „Meer“,
Unabhängige Texte, die nicht zu meinen Romanen gehören.
Beitrag zur Schreibchallange bei der School of Literature mit dem Thema „Meer“,
Als Kind hatte Tobias seiner Mutter fest versprochen, nie mehr zu weinen.
Der Blutmond stand über dem Acker, als hätte der Himmel vergessen, sich zu schminken.
Im Schuhkarton unter dem Bett lag eine gepresste Wüstenblume, mitgebracht von einer Reise, an die sich niemand mehr erinnerte.
Die Kamera hing seit Monaten ungenutzt am Haken, ein stummer Vorwurf.
Es gibt Leute, die kochen sich Pudding, wenn die Welt zu groß wird.
Torsten rührte in seinem längst kalt gewordenen Kaffee. Das künstliche Licht des Displays war die einzige Wärmequelle, die sein Gesicht traf. Unter seinem Daumen zog ein endloser Strom aus fremden Leben vorbei – ein Archiv der Eitelkeiten.
Wir tanzen nicht mehr. Wir posieren. In der digitalen Arena geht es längst nicht mehr um den Moment, sondern um dessen Verwertbarkeit.
Man muss gar nicht an einem Meeting teilnehmen, um den Verstand zu verlieren. Es reicht, sich mittags in ein Café in der Hafencity zu setzen und zuzuhören.
Das Wort ist weg. Nicht im Sinne von: weg, weil es keiner mehr benutzt. Weg im Sinne von: weg, weil es keiner mehr findet. „Wehmut“ – das klingt wie ein leiser Schritt im Treppenhaus. Man hört ihn kaum, aber man weiß: Da ist jemand.