Als Kind hatte Tobias seiner Mutter fest versprochen, nie mehr zu weinen. Ein Versprechen, wie Kinder es geben, ohne die Tragweite dessen zu kennen, mit derselben Leichtigkeit, mit der sie Käfer fangen.
Er hielt es. Jahrelang. Bis die Narben, die das Schweigen hinterließ, größer wurden als das, wovor es einmal schützen sollte.
Heute, mit vierzig, übte er manchmal heimlich, wieder richtig zu atmen. Nicht flach, wie man es sich als Junge angewöhnt hatte, sondern tief, als dürfe man Platz beanspruchen in der Welt.
Ein Atemzug, dachte er, ist auch ein Versprechen. An sich selbst. Man muss es nur täglich erneuern.