Spiegel – Versprechen – Nebel

Jeden Morgen versprach Anton dem Spiegel, heute alles anders zu machen. Der Spiegel nickte stets höflich, wie ein Kellner, der die Bestellung schon kennt.

Draußen lag Nebel über der Stadt, so dicht, dass man die eigenen Vorsätze darin verlieren konnte. Anton verlor sie meist an der zweiten Ecke.

Man hält Versprechen, dachte er, nur dem, der sie einfordert. Und der Spiegel forderte nichts. Er zeigte bloß, wer sie gebrochen hatte.

Am Abend blieb Anton länger davor stehen als sonst. Der Mann im Glas sah müde aus, aber gar nicht unfreundlich. Vielleicht, dachte Anton, fängt es mit einem ehrlichen Blick an.

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