Inspieriert durch einen Text von Erich Kästner
Ihr lernt es nie. Ihr wollt es gar nicht wissen.
Ihr füttert den Algorithmus mit eurem Hass.
Die Welt wird laut, doch ihr bleibt still im Kissen,
und haltet Meinung schon für Augenmaß.
Ihr glaubt den Schreiern, die euch Lügen schenken,
weil Wahrheit mühsam ist und nicht bequem.
Es ist so viel einfacher, nicht selbst zu denken,
und Schuld zu suchen – stets in einem fremden System.
Man sieht ein Antlitz, das es gar nicht gibt.
Ein Wort, das keine Lippe je geformt.
Ihr seid in eine Schimäre verliebt,
weil euer Fühlen technisch wird genormt.
Wer spricht da eigentlich? Und wer hört zu?
Ein Prompt, ein Code, ein Echo aus dem All?
Vom „Ich“ bleibt nichts, und fremd wird auch das „Du“,
im künstlich generierten Widerhall.
Ihr jagt den Klicks nach, wie die Hund‘ den Lappen,
und wisst am Abend doch nicht: Wer war wer?
Man kauft sich Wut in mundgerechten Happen,
und findet Tiefe nur im Ungefähr.
Ihr seid nicht bös. Ihr seid nur abgelenkt.
Ein Volk von Geistern, das am Glase klebt.
Und während ihr den Kopf ins Leuchten senkt,
verpasst ihr glatt, dass ihr noch einmal lebt.