Eine kleine Betrachtung zu den leisen, aus der Zeit gefallenen, Vokalbeln.
Die Sprache der Gegenwart trägt dicke Sohlen. Man bewegt sich gedämpft und rutschfest durch den Tag. Das Vokabular federt das Meiste ab: Workflows, Mindsets, Performances. Es ist eine gut isolierte, zweckmäßige Sprache, in der man den direkten Kontakt zum Boden längst verloren hat. Man funktioniert, ohne groß anzuecken.
Und dann fallen gelegentlich diese anderen, scheinbar aus der Zeit gefallenen Wörter. Muße. Anstand. Wehmut. Wer sie benutzt, zieht gewissermaßen die Schuhe aus. Diese Begriffe haben kein künstliches Profil, sie dämpfen nicht. Sie stehen ungeschützt auf dem Asphalt, spüren jede Unebenheit und die Kälte von unten.
Es hat wenig Sinn, gegen die gut besohlte Geschäftigkeit anzuschreien. Wer im Herzen barfuß geht, wählt stattdessen den stillen Rückzug. In eine Sprache, die nicht optimiert ist, sondern schlichtweg echt. Man tritt leiser auf – aber man spürt wieder, worauf man steht.