Man muss gar nicht an einem Meeting teilnehmen, um den Verstand zu verlieren. Es reicht, sich mittags in ein Café in der Hafencity zu setzen und zuzuhören. An den Nachbartischen geht es nicht um Arbeit, es geht um „Workflows“ und „Mindsets“. Niemand weiß genau, worum es geht, aber alle nicken. Es ist das kollektive Einverständnis, einfach nur funktionieren zu müssen.
Der Schmierstoff der Maschine
Willkommen im Wörter-Dschungel. Einem Ort, an dem Begriffe schneller wuchern als Unkraut. Wer überleben will, muss „delivern“ und „performen“. Das klingt dynamisch, macht die Menschen aber nicht weniger müde.
Dieses Denglisch ist kein Zufall und keine bloße Wichtigtuerei. Es ist der sprachliche Schmierstoff für eine Maschinerie, die keine Schwäche duldet. Es ist eine Narkose, die uns davor schützt, die Dinge beim Namen zu nennen.
Der unsichtbare Mensch
Gefährlich wird es nämlich genau dann, wenn diese Begriffe beginnen, den Menschen dahinter unsichtbar zu machen. Wenn die pure Erschöpfung zur „Challenge“ degradiert wird. Wenn der Rauswurf eines Kollegen mit Familienkredit elegant als „Restrukturierung“ über den Tisch geht.
Die Sprache der Leistungsgesellschaft ist glatt und steril – und genau deshalb so brutal. Sie nimmt der Tragödie ihren Schrecken und dem Menschen seine Kontur.
Die Machete
Der Kampf gegen diesen Jargon ist also kein linguistischer Konservatismus. Es ist eine reine Trotzreaktion gegen eine übergriffige Welt, die uns das Menschliche abtrainieren will.
Der Kompass für den Ausweg bleibt analog: Wenn ein englisches Wort genauer ist, behalte es. Aber wenn ein Wort nur dazu dient, das Menschliche zu verschleiern und Härte als Dynamik zu verkaufen, dann schlag es mit der Machete aus dem Satz.
Man muss am Ende ohnehin alles selbst ausbaden – da sollte man die Dinge wenigstens selbst benennen dürfen