Bambus – Balance – Seele

Im Garten der alten Nachbarin wuchs Bambus, gerade und biegsam zugleich, ein Widerspruch, den niemand ernsthaft hinterfragte. Er bog sich im starken Wind und brach doch nie. Klara beneidete ihn heimlich dafür.

Sie selbst hielt sich für unbiegsam. Ihre Seele, dachte sie, war eher aus Eichenholz: fest, aber irgendwann morsch, wenn man zu lange stur blieb.

Man nennt es Balance, hatte ihr Vater einmal gesagt, wenn man nachgibt, ohne dabei umzufallen. Klara hatte das lange für eine bequeme Ausrede gehalten, um Rückgrat zu vermeiden.

Jetzt, Jahre später, stand sie im Wind und übte. Biegen. Nicht brechen.

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